Kiefer- und Zahnstellungsanomalien

Kiefer- und Zahnstellungsanomalien
Im Gegensatz zur schulzahnmedizinischen Kieferorthopädie, bei der vorwiegend mit mechanischen Kräften gearbeitet wird, um den Kiefer umzuformen, werden bei der ganzheitlichen Kieferorthopädie ganze Funktionsketten des oro-fazialen (Mund-Gesicht-) System so beeinflusst, dass es einer normalen Funktion zugeführt werden kann.

 

Man beschränkt sich hier nicht nur auf den Kieferknochen und die Stellung der Zähne, sondern bezieht die Wangen-, Lippen- und Zungenmuskulatur in ihren Bewegungsprofilen mit ein. Dabei werden die Funktionsabläufe der Kiefer-, Gesichts- und Halsmuskulatur umprogrammiert und neu aufeinander abgestimmt, so dass sich Fehlfunktionen und -stellungen wie von selbst auflösen. Neben der Selbstausformung der Kiefer und Begradigung der Zähne kommt es zu vielen weiteren Umstellungen wie die von der Mund- zur Nasenatmung, der Korrektur der Wirbelsäule (speziell im Bereich der HWS), zur besseren Belüftung von Nasen- und Stirnhöhlen bis hin zur verbesserten Hirndurchblutung.

 

Erwiesenerweise ist der Nasenatmer generell gegenüber dem Mundatmer sowohl im geistigen, psychischen und körperlichen Bereich im Vorteil. Vor allem bei der Entwicklung der Kinder ist eine solche Umstellung von unschätzbarem Wert.

 

Die Bionatortherapie

Aufbau und Wirkungsweise des Bionators

Bionator

Der Bionator ist ein funktionskieferorthopädisches Gerät (nach dem deutschen Arzt Prof. Dr. Dr. Balters). Er besteht aus einem Kunststoffgestell, einem Lippen-Wangen-Bogen und einem Zungenbügel. Der Bionator ist herausnehmbar, liegt locker im Mund und wirkt auf beide Kiefer gleichzeitig. Das Gerät korrigiert sowohl Zahn- als auch Kieferstellungen und wirkt am besten, wenn es von Kindern und Jugendlichen während der Wachstumsphase getragen wird, (4-12 Jahre)
Im Unterschied zu den mechanisch aktiven herausnehmbaren Zahnspangen liegt der Bionator locker im Mundraum. Daher ist es kein druckausübendes Gerät, sondern wirkt rein passiv, mehr oder weniger als „Trainingsgerät“ für den Mund.

 

Der Bionator formt bei jedem Schlucken und Sprechen mit der vom Patienten selbst aufgewandten Kraft Kiefer- und Zahnstellungen auf natürlichem Weg um. Auch die neuro-muskulären Funktionsketten der Kiefer- Gesichtsmuskulatur werden umprogrammiert. So harmonisiert er die ganze Gesichtspartie auf sanfte Art und Weise. Das kleine Gerät liegt, ohne größeren Druck auszuüben, zwischen den Zahnreihen und wird mit speziellen Techniken hergestellt. Dabei entstehen Sogräume im Mundinneren, die das Zahn- und Kieferknochenwachstum stimulieren. Mit Hilfe des Zungenbügels kann sich die Zungenlage beim Schlucken ändern. Dies führt zu einer Muskelentspannung, und der Stoffwechsel wird optimiert. Zudem löst sich ein Lymphstau auf, die Nasenatmung wird gefördert, Nasenhöhle und Nebenhöhlen entwickeln sich, der Gaumen wird höher und breiter und die Zunge findet im Gaumengewölbe mehr Platz. Zudem führt die Vorverlagerung des Unterkiefers zu einer Verbesserung der Kopfhaltung und der Aufrichtung der Halswirbelsäule. Dadurch wird das Wachstum des gesamten Skelettsystems günstig beeinflusst.

 

Die Bionator-Therapie und ihre ganzheitliche Wirkung

In welchem Alter sollte der Bionator zur Anwendung kommen?
Pauschal kann man sagen, dass eine Kieferregulation umso schneller geht, je jünger der Mensch ist. Man kann bereits mit vier Jahren, also im reinen Milchgebiss damit beginnen. Die Behandlungszeiten verkürzen sich auf Monate statt dass sie – wie üblich im Wechselgeiß – Jahre dauern.

Eine orthodontische Einzelzahnregulation macht natürlich nur dann Sinn, wenn die Zähne durchgebrochen sind, also mit elf, zwölf Jahren. In der schulmedizinischen Kieferorthopädie, die auch von den gesetzlichen Kassen übernommen wird, beginnt man aus Kostengründen jedoch auch mit der Kieferregulation erst im Alter von 11, 12 Jahren. Man möchte hier zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen, handelt sich jedoch den Nachteil ein, dass die gesamte Regulation nun viel länger dauert und auch zum Rezidiv (Rückfall) neigt. Im günstigsten Fall kommt man bei dem frühzeitigen Einsatz eines Bionators im Kleinkindesalter sogar um eine Regulation der Einzelzähne im Wechselgebißalter gänzlich herum, weil die gesamte Entwicklung des Gebisses gefördert wurde und sich nicht nur der Kiefer sondern auch die Zähne bereits mit reguliert haben. Aber selbst wenn sie nicht ganz gerade stehen, wird es nun unproblematischer und schneller verlaufen.

 

Vorteile der Bionatortherapie gegenüber festsitzender Multibänder

Multiband / Brackets

1.Keine Rezidivneigung
Weil die neuro-muskulären Funktionsabläufe der Wangen-, Lippen-, Zungen- und Gesichtsmuskulatur in die Behandlung einbezogen werden, ist das Ergebnis von Dauer und die Zähne wandern nicht wieder in die Ausgangslage zurück.

 

2. Keine Retentionsverdrahtung
eine „lifelong Retention“ mittels eines eingeklebten Retentionsdrahtes ist nicht nötig.
Dadurch können die Zähne weiterhin natürlich im cranio-sacralen Bewegungsrhythmus schwingen. Eine Verklebung /Verdrahtung blockiert diese Beweglichkeit.

 

3. Kein Knochenabbau am Zahnhalteapparat
Durch Verklebung/Verdrahtung der Zähne kann zu es zu einem horizontalen Knochenabbau und zur Zahnlockerung kommen. Das passiert bei der Bionatortherapie nicht.

 

4. kein Zahnwurzelabbau
Zahnwurzeln können sich durch mechanischen Über- und Dauerdruck abbauen und zu frühzeitigem Zahnverlust führen. Auch das passiert bei der Bionatortherapie nicht.

 

5. keine Zahnvitalitätsverluste – Keine toten Zähne
Durch unnatürlichen Dauerdruck können Zähne ihre Vitalität verlieren. Ein toter Zahn ist ein Fremdkörper, der den Körper sowohl bakteriell als auch durch Fremdeiweiss (Leichengift) belastet und das Immunsystem in dauerhaft belastet.

 

6. keine erhöhte Kariesbildung
Multiband und Brackets sind deutliche Zahnputzhindernisse und erschweren eine korrekte Zahnhygiene. Gar nicht so selten treten kariöse Läsionen unter den oder um die Brackets herum auf. Noch häufiger entstehen helle Flecken auf den Zähnen als Zeichen einer Entmineralisation des Zahnschmelzes der beklebten Zähne. Der Bionator ist zum Zähneputzen herausnehmbar und kein Putzhindernis. Er führt außerdem zu einer erhöhten Speichelbildung und Durchblutung des Zahnhalteapparates, was Karies- und Parodontalerkrankungen vorbeugt.

 

7. Geringere tägliche Tragezeit
Der Bionator muß nicht wie das Multiband 24 Stunden, sondern nur 16 Stunden getragen werden.

 

8. Geringere Speichelazidose
Der Bionator hat zwar auch Metalldrähte, die eine Mundbatterie und damit einen sauren Speichel verursachen können, aber das geschieht ungleich schwächer als bei dem festsitzendem Multiband, da der Bionator wenig Metallanteile hat und zwischendurch herausgenommen wird. Außerdem sorgt er für einen stärkeren Speichelfluß, der die Säure neutralisiert.

 

Kombination von Bionator- mit Alignertherapie
Der Bionator ist ein kieferorthopädisches Gerät, das den Kiefer richtet und weniger für die Einzelzahnregulation) geeignet ist. Um nach Bionatortherapie verbleibende Einzelzahnfehlstände zu regulieren, kann man statt der Multibänder Regulationsschienen (Aligner) einsetzen. Der Aligner ist heute in Fachkreisen als ein dem Multiband gleichwirksames Gerät anerkannt.

 

Die Bionatortherapie in der ganzheitlichen Zahnheilkunde

Bei bestimmten Indikationen wird der Bionator auch im Erwachsenenalter zu nichtkieferorthopädischen Behandlungen in der ganzheitlichen Zahnheilkunde verwendet.

Bei Schmerzen im Bereich des Schulter-Nacken-Gürtels und der Wirbelsäule kann mit dem Bionator hervorragend geholfen werden. Auch beim Beschwerdebild infolge der sogenannten cranio-mandibuläreren Dysfunktionen (CMD) – ob bei Bruxismus (Zähneknirschen und/oder -pressen) oder bei Tinnitus, der als Folge von Kiefergelenksverspannungen entstehen kann, ist er eine gute Option.

Kiefer- und Zahnstellungsanomalien (Bionator)
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